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SozPäd-Movies

When a Man Loves a Woman (1994)

Deutscher Titel When a Man Loves a Woman
Originaltitel When a Man Loves a Woman
Genre, Produktionsland/-jahr Familiendrama, USA 1994
Regie Luis Mandoki
Drehbuch Ronald Bass, Al Franken
Wichtigste Darsteller und (Rollen) Andy Garcia (Michael Green), Meg Ryan (Alice Green), Ellen Burstyn (Emily), Tina Majorino (Jessica Green), Mae Whitman (Casey Green)
Sozialpädagogisches Arbeitsfeld Sucht- und Drogenhilfe (Alkoholismus)
Inhaltsangabe "Sie sind eine wahre Vorzeigefamilie. Alice (Meg Ryan) hat zwei reizende Töchter, ein Haus im Grünen und einen erfolgreichen Mann. Soweit stimmt das Idyll. Bis eines Tages klar wird, was Alice wirklich braucht: zwei Flaschen Wodka am Tag. Während die temperamentvolle Lehrerin früher gern mal einen über den Durst getrunken hat und Gatte Michael (Andy Garcia) mit ihrer Spritzigkeit amüsierte, kommt sie inzwischen zu spät und sternhagelvoll nach Hause. Als Alice ihre Tochter Jess schlägt, muss Michael sich eingestehen, dass seine Frau ein hochprozentiges Problem hat: Sie ist Alkoholikerin.
Die Ehestudie macht da weiter, wo andere Hollywood-Filme aufhören. Sie enthüllt die Seelen einer vereinsamten Frau und eines sympathischen, aber selbstgefälligen Machos."
(TV Spielfilm, 16/03)
Sozialpädagogische Filmkritik Der Film stellt die Problematik des Frauen-Alkoholismus in einer Familie dar. Der Alkoholismus ist wie kaum eine andere psychische Störung in der Bevölkerung verbreitet und geläufig. Die Arbeit mit alkoholkranken Menschen gehört zu den Berufsfeldern von Sozialpädagogen.
Wie andere Alkoholabhängige fängt Alice Green zunächst freiwillig an zu trinken. Schon als Kind trank sie ihr erstes Bier. Ihr Vater war ebenfalls alkoholabhängig. Im Laufe der Abhängigkeitsentwicklung geht die Freiwilligkeit jedoch immer mehr verloren. Alice trinkt nach der Arbeit mit ihren Arbeitskolleginnen, im Urlaub, zu Hause auf der Toilette. Sie wickelt ihre Wodkaflaschen in Zeitungspapier ein, damit ihre Kinder, ihr Mann und die Nachbarn nichts mitkriegen. Nach einiger Zeit verselbständigt sich ihr Alkoholkonsum und sie verliert die Kontrolle. So wie im wirklichen Leben hat auch die Filmfigur angeblich Hunderte von Gründen um zu trinken. Sie fühlt sich im Arbeits- und Familienleben überfordert, vermisst ihren Mann, der als Pilot oft nicht anwesend ist, und fühlt sich von ihm unverstanden. Mit dem Alkohol versucht sie die Wirklichkeit zu korrigieren, bis sich der gelegentliche zu alltäglichem Alkoholkonsum entwickelt.
Michael versucht seine Frau vom Alkoholkonsum abzubringen, sie zu verstehen, sie zu unterstützen, in dem er ihr Aufgaben und Entscheidungen abnimmt. Jedoch vergeblich. Sie empfindet dies als Unterforderung, Entmündigung und Untergrabung ihres Ansehens vor den Kindern. Selbst ein gemeinsamer Urlaub endet mit einem Flop, als Alice betrunken vom Boot stürzt. Sie verspricht danach mit dem Trinken aufzuhören. Alice kann aber nicht mehr aufhören.
Die Kinder leiden sehr unter der Alkoholkrankheit ihrer Mutter. Vor allem die ältere, achtjährige Jess, die mehr mitkriegt und versteht als die vierjährige Casey. Die Kinder sorgen sich um die Mutter, sie meinen sie wäre krank. Alice wird aggressiv gegenüber den Kindern und ihr rutscht auch die Hand aus.
Der Wendepunkt im Leben von Alice passiert, als sie unter Alkoholeinfluss unter der Dusche zusammenbricht und Jess sie in den Scherben der Duschtür liegend findet. Sie wird ins Krankenhaus gebracht. Michael hält immer noch zu ihr. Erst jetzt gibt sie vor ihm und vor sich selbst zu, eine Alkoholikerin zu sein und damit ein Problem zu haben. Sie sagt: "Ich muss, Michael, ich kann nicht mehr ohne." Alice entscheidet sich für eine Therapie. In der Film-Klinik herrschen, wie in der Realität, strenge Vorschriften. Das Gepäck wird durchsucht. In der Zeit der Entgiftung sind keine Telefonate und Besuche möglich. Die Therapie selbst ist im Film nicht genau dargestellt, nur, dass die Entgiftungszeit schwer zu ertragen ist. Auch die Therapeutin kommt nur einmal vor. Sie ist selbst "trockene" Alkoholikerin und hat zwei Therapien durchgemacht. Menschen, die selbst betroffen waren, können mehr Empathiefähigkeit aufbringen und die Situation der Kranken besser nachvollziehen. Dies zeigt sich, als Alice die Klinik verlässt und der Therapeutin gegenüber ihre Ängste vor der Zukunft äußert. Die Therapeutin macht ihr keine falschen Hoffnungen, sie sagt die Wahrheit: Es gibt kein Rezept das weitere Leben und keine Vorschläge, um nicht mehr rückfällig zu werden.
Alkoholkranke Menschen brauchen, außer Therapien, Aufgaben, Ziele und Verantwortung. Doch Michael versucht seiner Frau Aufgaben aller Art, Stress und Verantwortung abzunehmen, um sie zu entlasten. Alice braucht dies aber: Sie will den Alltag bewältigen, anstatt vor ihm zu fliehen. Sie möchte über ihre Probleme, ihre Krankheit und ihre Gefühle mit ihrem Mann reden: "Frag mich doch, wie gern ich jetzt was trinken würde!" Michael ist mit der Situation überfordert, er versteht ihre Begierde nach Alkohol nicht und gibt ihr das Gefühl der Schwäche, Wertlosigkeit, Dummheit. Selbst die Eheberatung, die die beiden aufsuchen, schlägt fehl. Alice sucht Verständnis und Hilfe in einer Selbsthilfegruppe; deren Mitglieder sind für Alice vertrauenswürdig und bedeuten für sie eine Stütze. Die fehlende Kommunikations- und Verständnisfähigkeit in der Beziehung führt zur Trennung von Alice und Michael.
Der Film macht deutlich, dass nicht nur die Suchtkranken, sondern auch ihre Familienmitglieder Hilfe brauchen, um die Erlebnisse zu verarbeiten und den Umgang mit den Kranken zu lernen. Er zeigt exemplarisch ein Musterverhalten alkoholkranker Frauen, belegt, dass nicht nur Hausfrauen oder ungebildete Frauen zum Alkohol greifen, sondern auch berufstätige und gebildete Frauen, wie Alice Green, die selbst als Schulpädagogin arbeitet. Frauen trinken lieber allein zu Hause als an öffentlichen Orten. Sie bevorzugen hochprozentige Spirituosen. Die erste Begegnung mit Alkohol beginnt meistens, bevor sie selbst trinken, also in der Kindheit. Aus dem Ekel und der Angst vor dem Alkohol in der Kindheit wird in der Adoleszenzphase Reiz und Faszination. (Berger, H./Legnaro, A./Reuband, K.H. (Hrsg.): Frauenalkoholismus - Entstehung, Abhängigkeit, Therapie, Kohlhammer Verlag, 1983, S. 13).
Die Besetzung des Films ist gut, die Darsteller spielen ihre Rollen überzeugend. Besonders gefiel mir die Echtheit des Spieles von Tina Majorino, die die Ängste und das Leiden eines Kindes hervorragend darstellen konnte. Den Dialog im Film finde ich realistisch und aufklärend. Ich konnte in diesem Film keine Klischees, Vorurteile oder Verallgemeinerungen entdecken.
Dieser Film eignet sich, meiner Meinung nach, als Lehrmaterial für Sozialpädagogen, denn er geht nicht an der Realität vorbei, zeigt den Alkoholismus als Krankheit, die zu heilen ist und Lösungen, um diese Krankheit zu bekämpfen.
Ewelina Bujala

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