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Prof. Dr. Helmut Diederichs

Konzept SozPäd-Movies


1. Was ist ein "SozPäd-Movie"?

Ein "SozPäd-Movie" ist ein fiktionaler (also nicht dokumentarischer) Kino- bzw. Fernsehfilm, der in Arbeits-/Praxis-/Handlungsfeldern der Sozialpädagogik bzw. Sozialarbeit spielt. Solche Handlungsfelder sind beispielsweise: Soziale Arbeit mit behinderten Menschen, mit Kindern, Jugendlichen, Frauen, Migranten, ferner Familienhilfe, Altenhilfe, Drogenhilfe, Obdachlosenhilfe, schließlich Psychiatrie, Erziehungsheim u. a. m. Doch nicht jeder Film, in dem beispielsweise Kinder und Jugendliche vorkommen, ist ein "SozPäd-Movie". Es muss auch konkreter sozialpäd./sozialarb. Handlungsbedarf vorliegen. Deshalb sind Filme wie z. B. "Grease" und "Saturday Night Fever" keine SozPäd-Movies, denn für deren Problemlösungen benötigen die dargestellten Jugendlichen keinen Sozialarbeiter. Übergreifende gesamtgesellschaftliche Problemstellungen, wie z.B. Rassismus, müssen konkreten Praxisfeldern zugeordnet werden, z. B. Jugendarbeit oder Migrantenarbeit.
Siehe auch: Stichwort "SozPäd-Movie" in Online-Filmbegriffslexikon des Bender-Verlages.

2. Das Lehrforschungsprojekt "Sozialpädagogischer Kino- und Fernsehfilm"

Die Recherche nach, Erfassung, Analyse und kritische Kommentierung von "SozPäd-Movies" ist Gegenstand meines Lehrforschungsprojektes "Sozialpädagogischer Kino- und Fernsehfilm" am FB Angewandte Sozialwissenschaften der FH Dortmund. Lernziele für die Studierenden sind vor allem wissenschaftlich-methodisches Arbeiten und kritisch-rezeptive Medienkompetenz. Sie können im methodischen und thematischen Umfeld des Lehrforschungsprojektes Modul- und Studienabschluss-Prüfungen absolvieren. Das Ergebnis der Auseinandersetzung der Studierenden mit dem einzelnen Film oder mehreren Filmen wird in Form einer Hausarbeit vorgelegt.

3. Die Datenbanken "SozPäd-Movies"

Die Darstellung der Ergebnisse des Lehrforschungsprojektes erfolgt in einer Offline-Arbeits-Datenbank sowie einer Online-Datenbank, die beide in gleicher Weise strukturiert sind:
- Eine Gesamtliste aller erfassten Filme.
- Derzeit 19 Unterlistenn nach sozialpäd./sozialarb. Arbeitsfeldern.
- Eine weitere Unterliste ist den sozialpädagogischen / sozialarbeiterischen "Protagonisten" (Haupt- und Nebenfiguren) gewidmet.
- Je erfasstem Film gibt es einen Datensatz mit den Titel- und Stabangaben des Films, die Zuordnung zu sozialpädagogischen / sozialarbeiterischen Arbeitsfeldern und eine Inhaltsangabe.
- Ziel des Lehrforschungsprojektes und der Datenbank ist es, für jeden Film eine fachliche Bewertung in Form einer "Sozialpädagogischen Filmkritik" vorzulegen.

4. In welche Kategorien lassen sich SozPäd-Movies einteilen, wenn man sie nach der Nähe zu professionellen SozialarbeiterInnen/SozialpädagogInnen und deren Handeln unterscheiden will?

In einigen Arbeitsfeld-Unterlisten der Datenbank sind die Filme nach vier inhaltlichen Merkmalen kategorisiert. Diese Kategorien A, B, C und D haben folgende Definitionen:
A = Filme, in denen professionelle Sozialarbeiter bzw. Sozialpädagogen als Hauptfiguren oder für die Handlung wesentliche Nebenfiguren handeln und Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit im wesentlichen realistisch dargestellt werden.
B = Filme, die Klientel der Sozialen Arbeit zeigen und in denen Laien/Nicht-Profis anstelle professioneller Sozialarbeiter bzw. Sozialpädagogen handeln.
C = Filme, in denen die Klientel der Sozialen Arbeit im Mittelpunkt der Handlung steht (und Sozialarbeiter/Sozialpädagogen praktisch nicht vorkommen).
D = Filme, die die Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit, die Sozialarbeiter bzw. Sozialpädagogen oder die Klientel lediglich peripher zeigen, aber dennoch diskussionswürdig sind.

5. Was ist eine "Sozialpädagogische Filmkritik"?

Eine "Sozialpädagogische Filmkritik" sieht und bewertet den jeweiligen Film aus dieser besonderen professionellen Perspektive. Dazu ist es nötig, sich zunächst einen genauen Überblick über den sozialpäd./sozialarb. Gehalt des Films zu verschaffen (fachliche Inhaltsanalyse). Der allgemeine Inhalt des Films und die verwendeten filmischen Ausdrucksmittel sind zwar auch von Interesse, aber nachrangig. Die eigentliche Kritik aus fachlicher Perspektive wird oft den Realitätsgehalt des dargestellten sozialen Problems und der eingeleiteten Hilfemaßnahmen überprüfen, die Klischeehaftigkeit oder die Übertreibung wegen dramatischer Zuspitzung aufs Korn nehmen.

6. Was ist ein "Sozialpädagogisches Filmessay"?

Ein "Sozialpädagogisches Filmessay" vergleicht mehrere Filme unter einem gemeinsamen thematischen Zusammenhang. Diese Definition ist bewusst sehr allgemein angelegt, um interessante Themenstellungen zu ermöglichen und nicht auszuschließen.
So ist beispielsweise als thematischer Zusammenhang denkbar:
- der Vergleich mehrerer Filme eines Arbeitsfeldes oder Teiles eines Arbeitsfeldes der Sozialen Arbeit (Beispiel: Filme über Gehörlose - Teil des Arbeitsfeldes Behinderte Menschen),
- der Vergleich mehrerer Filme desselben Filmgenres (innerhalb eines Arbeitsfeldes) (Beispiel: Komödien über Haschisch, sog. Kiffer-Komödien - Teil des Arbeitsfeldes Sucht- und Drogenhilfe),
- der Vergleich mehrerer Filme desselben Regisseurs (wenn er mehrere SozPäd-Movies gedreht hat),
- der Vergleich mehrerer Filme desselben Schauspielers (wenn er mehrere SozPäd-Movies gedreht hat),
- der Vergleich mehrerer Filme, in denen die Leistung unterschiedlicher Schauspieler in der Darstellung sozialpädagogischer Klientel zu beurteilen ist (Beispiel: die Darstellung geistig behinderter Menschen durch geistig normale Schauspieler; aber auch die Darstellung des Down-Syndroms durch Down-Syndrom-Schauspieler).
- der Vergleich mehrerer Filme, in denen sozialpädagogisch Handelnde in ähnlicher Position vorkommen (Beispiel: Jugendamts-Leiter, Erzieherinnen/Erzieher, ...)

7. Beteiligung von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern aus der Praxis

Das Projekt "SozPäd-Movies" wendet sich nicht nur an die Studierenden des FB Angewandte Sozialwissenschaften, sondern steht auch anderen fachlich vorgebildeten Personen offen: Einschlägig Studierende anderer Fachhochschulen und Universitäten sowie Sozialpädagogen und Sozialarbeiter aus den betroffenen Praxisfeldern sind hiermit aufgefordert, sich mit Hinweisen auf Filme aber auch mit Sozialpädagogischen Filmkritiken und Sozialpädagogischen Filmessays zu beteiligen - bitte per E-Mail an: diederichs@fh-dortmund.de.